Migräne-Aufklärungswoche 2018

Hey ihr Lieben!

Heute geht’s hier mal um ein bisschen ernsteres Thema, nämlich um Migräne. Die erste Septemberwoche ist jährlich der Aufklärung über Migräne gewidmet und ich finde das ziemlich wichtig, weil meiner Erfahrung nach die wenigsten Leute genau über Migräne Bescheid wissen, aber häufig trotzdem tolle Ratschläge zu diesem Thema abgeben.

Ich möchte euch ein bisschen über meine Migräne-Geschichte erzählen, erklären, warum ich die meisten Ratschläge nicht hilfreich finde (obwohl sie gut gemeint sind) und vermitteln, wie Migräne als Krankheit zu bewerten ist. Das hier wird also ein langer Beitrag. Ich freu mich, wenn’s euch interessiert. Ansonsten lesen wir uns beim nächsten DIY wieder. :)

Die Migräne und ich

Wir kennen uns jetzt schon etwas länger. Seit meinem 16. Lebensjahr, um genau zu sein. Das ist immerhin schon mehr als die Hälfte meines Lebens. Es hat allerdings 2 Jahre gedauert, die Migräne auch als Migräne zu identifizieren und mit den Beschwerden beim Arzt vorstellig zu werden. Am Anfang war es nämlich noch nicht so besonders häufig. „Hab‘ halt mal Kopfschmerzen.“ Bis dann die starke Übelkeit dazu kam und jemand andeutete, dass es Migräne sein könnte. Aber ich konnte doch keine Migräne haben, dachte ich. Das war doch etwas, das gut betuchten, älteren Frauen vorbehalten war, die sich ohnmächtig eine schlaffe Hand vor die Augen halten und stöhnend äußern, dass es ihnen nicht so gut gehe.

Migräne? Ich doch nicht!

img_7102

Der Arzt verschrieb mir dann Triptane (ein spezieller Wirkstoff gegen Migräne), die ich aber zunächst nicht nehmen wollte, weil ich mir die Nebenwirkungen durchgelesen habe. So ein starkes Medikament hatte ich davor noch nie genommen. Aber mein Arzt überzeugte mich und es stellte sich heraus, dass Triptane auch wirklich gut gegen meine Migräne-Beschwerden helfen. Nun konnte ich immerhin bei einem Anfall in das Medikamentenköfferchen greifen und den Schmerzen etwas entgegensetzen. Außerdem war dadurch klar, dass ich tatsächlich Migräne habe und nicht an einer anderen Kopfschmerzart leide. (Es gibt nämlich mehr als 250 Arten und die Symptome unterscheiden sich u. U. von Patient zu Patient.)

Aber die größte Frage war für mich: wie werde ich diese doofe Migräne wieder los?! Also komplett bitte! Keine Anfälle mehr, die einen von hinten anspringen und zu Boden zwingen, wenn man eigentlich was ganz anderes vor hatte. Arbeiten zum Beispiel. (In der Ausbildung hatte ich ständig Angst vor zu vielen Krankheitstagen, die möglicherweise den Weg in die Festanstellung behindern.) Aber auch schöne Unternehmungen fielen entweder für mich flach oder ich zwang mich mit Mörderschädel und fortschreitender Übelkeit hin, weil ich einfach nicht absagen wollte. Oder konnte mich vor Müdigkeit kaum auf den Beinen halten. (Eine Nachwirkung der Tabletten.)

Eine dauerhafte Heilung sollte also her. Mein Arzt schlug Akupunktur vor. Ich ließ mich mit lauter kleinen Nadeln behandeln. Glaubte fest daran, dass es etwas bewirken würde. Und wurde enttäuscht. Kurz darauf wurde dann auch die Bezuschussung von der Krankenkasse eingestellt, weil es anscheinend nicht genug Leuten geholfen hatte.

Die Suche ging weiter.

Comic Doodle Migräne Ratschlag Wasser trinken

Es fällt mir gar nicht so leicht, mich an alle Therapie-Formen zu erinnern, die ich über die Jahre so ausprobiert habe. Hier der Versuch einer Aufstellung:

  • Akupunktur
  • TENS-Gerät
  • Schüßler-Salze
  • Progressive Muskelentspannung
  • Betablocker als vorbeugendes Medikament
  • Laufen als Ausdauersport
  • Physiotherapie

Die meisten davon (bei den Betablockern bin ich mir nicht sicher) haben zumindest nicht geschadet. Aber so richtig geholfen hat auch nichts davon. Laufen gehen war sogar  total kontraproduktiv. Da habe ich öfter mal auf halber Strecke oder direkt nach dem Lauf eine fette Migräne bekommen. Super Idee!

Natürlich müsste man die Progressive Muskelentspannung routiniert in den Alltag integrieren und täglich anwenden. Wozu ich in meinen 20ern definitiv zu faul war. Und ich hatte auch nicht vor, mein Leben der Migräne anzupassen. Obwohl immer gesagt wurde, dass Regelmäßigkeit wichtig ist, wollte ich am Wochenende mitfeiern. Bis um 3:00 im Verein an der Theke rumhängen, die Nacht durchmachen, tanzen und trinken. Dafür habe ich dann in schöner Regelmäßigkeit am nächsten Tag die Rechnung kassiert.

Ich dachte immer noch: irgendwann kommt jemand mit einer dauerhaften Lösung um die Ecke. Einer Heilung!

Doodle Comic Migraene Ratschlag unerbeten

Schließlich gibt es genug Geschichten von irgendwelchen Bekannten von Bekannten, die nur neue Brillengläser brauchten und plötzlich war die Migräne weg. Oder denen die Weisheitszähne gezogen wurden. Oder die sich einen Wirbel einrenken ließen. Oder die eine Intoleranz gegen Sonstwas hatten. Oder, oder, oder…

Hatte ich also einfach noch nicht genug ausprobiert? War mein Leiden nicht groß genug? Immerhin habe ich seit Jahren zuverlässig mindestens einmal die Woche einen Anfall. Manchmal öfter, nur sehr selten weniger. Das kann man schon als häufig deklarieren.

Aber ich bin ein ziemlich skeptischer Mensch. Nur weil die Schwester der Tante des Bekannten von nebenan eine Heilung durch XY herbeiführen konnte, heißt das ja noch lange nicht, dass das auch zuverlässig und ebenfalls für mich funktioniert.

Und mit meiner Skepsis lag ich ziemlich richtig!

Irgendwann stieß ich nämlich auf die Homepage der Migräneklinik Kiel, dessen Leiter Prof. Dr. Göbel sogar mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse für seine intensive Migräneforschung ausgezeichnet wurde. Und da las ich mich dann erstmal durch das gesamte verfügbare Migräne-Wissen.

Migräne Sketchnote Ursachen neurologisch

Eine wichtige Information stach für mich dabei besonders hervor:

Migräne ist eine neurologische Erkrankung!

Deshalb lässt sich die Ursache von Migräne-Anfällen auch nicht beheben. Man kann höchstens durch einen der Migräne angepassten Lebensstil (Regelmäßigkeiten, Entspannung, etc.) Einfluss auf die Häufigkeit der Anfälle nehmen.

Mit diesem Wissen lebe ich mittlerweile ganz gut. Ich weiß, dass ich nicht auf eine Heilung hoffen darf. Aber es war auch eine Erleichterung die Suche nach einer Heilungsmethode einstellen zu können und mich stattdessen auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann: meinen Alltag!

Von den ganzen tollen Ratschlägen fühle ich mich jetzt auch nicht mehr unter Druck gesetzt. Oder werde wütend über das Unverständnis. Sondern ich versuche aufzuklären.

Und falls ihr auch an Migräne leidet und euch über doofe Ratschläge geärgert habt, hinterlasst sie mir doch in den Kommentaren. Das bietet Potential für einen Comic. Man soll das Leben schließlich mit Humor nehmen. ;)

Sew long,

Anni

Werbeanzeigen

2 Gedanken zu “Migräne-Aufklärungswoche 2018

  1. :-) Liebe Anni,
    ich habe früher auch ganz doll an Migräne gelitten. Das fing leider schon mit 8 Jahren an und ich konnte nur in einem abgedunkelten Raum liegen.
    Gewissen Düfte lösen heute noch eine Attacke aus.
    Aber je älter ich werde, desto weniger werden die Attacken (‚mal eben schnell auf Holz klopfen!)
    Ich wünsche Dir, dass Du nicht zu oft davon heimgesucht wirst und Du eine Routine gefunden hast, die Dir dabei hilft.
    schönes Wochenende und liebe Grüße
    Claudia :-)

    1. Liebe Claudia!
      Wie schön zu hören, dass die Anfälle bei dir immer weniger werden. Das erhoffe ich mir natürlich auch. :) Bei meiner Oma hörte es im Alter (so um die 60) irgendwann ganz auf.
      Auf Düfte, Lärm und Licht reagiere ich auch ganz extrem. Auf der Arbeit liegen deshalb Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung in meiner Schublade. Falls mal wieder der Arbeitskran direkt vor meinem Fenster steht…
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Anni

Sag mir was du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s