Freundschaft

Eine Freundschaft, die beendet wurde, hat eigentlich nie begonnen.

Dieser Satz fiel gestern in dem Intro zu einem wunderschönen Konzert vom Chris Lass Trio. Und er ließ mich nachdenken…

Direkt vor dem Konzert hatte ich noch mit einer Freundin telefoniert und mich mit ihr über eine beendete Freundschaft unterhalten und dass man danach nicht so genau weiß, wie man sich verhalten soll, wenn der andere einem über den Weg läuft. Eine Freundschaft, die ohne Aussprache geendet hat, einfach dadurch, dass der andere sich nicht mehr gemeldet hat, kein Interesse mehr gezeigt hat an deinem Leben. Das hast du irgendwann gecheckt, hast dich auch nicht mehr gemeldet, vielleicht noch gehofft, dass der andere es merkt. Doch das hat er nicht und so verlief das Ganze im Sande. Nun könnte man doch eigentlich einen Punkt dahinter machen und die Freundschaft abhaken, oder?

„Vergeben und Vergessen“ so sagt man ja wohl. Das klingt nach einem guten Motto, aber es ist nicht sehr praktisch. Wenn uns jemand weh tut, wollen wir es ihm mit gleicher Münze heimzahlen. Wenn uns jemand Unrecht tut, dann möchten wir Recht bekommen. Grey's Anatomy, Staffel 4, Folge 4

Das ist aber manchmal gar nicht so einfach. Mir zumindest fällt es in diesem Punkt sehr schwer. Vielleicht liegt es daran, dass ich so vieles noch gerne gesagt und geklärt hätte. Warum hatte dieser Mensch plötzlich kein Interesse mehr? Hätte ich etwas ändern können oder lag es allein an dem anderen?

Und wie gehe ich damit um? Rotze ich dem anderen das alles vor die Füße, wenn man sich zufällig im Supermarkt über den Weg läuft? Oder antworte ich auf ein „Wie geht’s?“, doch eher mit: „Danke, gut. Schönen Tag noch!“ Denn, seien wir ehrlich, dass der andere auf die Knie geht, um Entschuldigung bittet und mich anfleht ihm zu verzeihen ist ja wohl eher unwahrscheinlich.

Doch wenn ich ehrlich bin, ist es das, was ich gerne hätte. Denn diese Person hat mich verletzt. Und das zuzugeben fällt mir gar nicht so leicht. Schließlich sehe ich mich als starke und unabhängige Frau. Wenn jemand nichts mehr mit mir zu tun haben will: „Pah, sein Problem! Ich hab doch genug andere Freunde!“ – Ja, und die habe ich auch. Aber das ändert nichts daran, dass ich enttäuscht wurde. Mich auf eine Person verlassen habe, die dieses Vertrauen letztlich nicht verdient hatte. Abgeschrieben zu werden, nicht mehr wichtig zu sein, das tut immer irgendwie weh.

Ohne Vergebung werden alte Rechnungen nie beglichen, werden alte Wunden niemals heilen, Grey's Anatomy, Staffel 4, Folge 4

Vielleicht hilft mir der Satz von oben mit der ganzen Sache abzuschließen. Auch wenn ich damals fest daran glaubte, so ging unsere Freundschaft wohl gar nicht wirklich tief. Wir waren nur 2 Menschen, die eine Weile den gleichen Weg teilten…

…bis der andere in eine andere Richtung lief.

Sew long!

Anni

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4 Gedanken zu “Freundschaft

  1. Ach Du.
    Jetzt drück ich Dich erstmal.
    Meine Schlußfolgerung aus einer ähnlichen Erfahrung ist, dass das Schweigen das ist, was der „Gegenseite“ Macht gibt. Das Desinteresse.
    Was Menschen aber wichtig für uns machen sollte, sind Tugenden.
    Es sagt also ganz viel über uns und ganz wenig über das Gegenüber, dass wir darauf so anspringen.
    Bestätigt Schweigen bzw. Desinteresse die tiefe Angst eines jeden, doch nicht liebenswert zu sein?

    Schweigende Menschen sind es nicht wert.
    Du hast mehr verdient.
    Es braucht keine Kotzorgie im Lebensmittelgeschäft, sondern schlichtweg diese Einsicht. Und die Fähigkeit das, was miteinander gut war, der Vergangenheit angehören und es einfach so stehen zu lassen, nicht zu zweifeln. Es war also schön, so lange es dauerte.
    Und jetzt geht das Leben weiter.

    Ende der Predigt :-)
    Alles Liebe von Nina

    1. Nina, meine Liebe! Vielen Dank für deine Gedanken!
      Du hast sicherlich recht mit deiner Analyse: Wenn jemand geht, bedeutet das dann, ich war es nicht wert zu bleiben? Wahrscheinlich ist es diese Angst, die es uns so schwer macht einfach loszulassen und zu vergessen.

      Aber die guten Zeiten, die gab‘ es natürlich auch. Und jetzt geht der Blick nach vorn!
      Ich nehme mir deine Predigt zu Herzen! ;)
      Drück dich zurück!

  2. manchmal braucht man ein wenig zeit, um sagen zu können „unsere wege liefen einige zeit parallel zueinander, eine gute zeit, aber jetzt geht´s für jeden in eine andere richtung – und das ist auch gut.“ die wut, das unverständnis lassen irgendwann nach und vielleicht bleibt trotzdem eine schöne erinnerung zurück.
    ich drück dich auch!

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