Israelbilder – Mi’ilya

Mi’ilya vom Fenster meiner Gastschwester

Während unserer Israel-Reise haben wir eine Woche in Gastfamilien in dem Ort Mi’ilya verbracht. Mi’ilya ist ein christlich-arabisches Dorf und liegt sehr weit im Norden Israels. Es ist wunderschön dort. Ein typischer Mittelmeer-Ort mit den Kalksteinbauten, den vielen Olivenbäumen, Orangen- und Zitronenbäumen, freilaufenden Ziegen und Katzen. Aber es ist bloß einer von zwei arabisch-christlichen Orten in dem jüdischen Staat. Und deshalb existiert er für die Israelis eigentlich gar nicht. Auf den meisten Landkarten von Israel kann man den Ort nicht finden. Stattdessen ist dort die Festung „Montfort“ eingezeichnet, die dort in der Nähe steht. Bei unserer Reise wurden wir in Tel-Aviv am Flughafen gefragt, was denn unser Ziel wäre, und als wir „Mi’ilya“ sagten, konnte der jeweilige Mitarbeiter dort nichts damit anfangen.

Das Schloss Montfort

Dass Mi’ilya auf der israelischen Landkarte ein blinder Fleck ist, zeigt sich auch dadurch, dass keinerlei Unterstützung durch die israelische Regierung erfolgt. Der Ort muss sich komplett selbst finanzieren. Schulbildung und Ähnliches wird also durch das Einkommen der Dorfmitglieder und durch Spenden gefördert. Misereor spendet beispielsweise 100.000 Euro jährlich damit das Dorf überleben kann. Und viele aus dem Dorf haben im Ausland studiert und sind danach wieder zurückgekehrt, weil sie im Ausland bessere Bildungschancen haben. In Israel dürften sie nur bestimmte Berufe ergreifen, sagten sie uns.

Zitronenbaum

Es gibt vieles, was in diesem Land abgeht, was von außen betrachtet sehr ungerecht und unverständlich gehandhabt wird. Trotzdem leben die Leute in Mi’ilya ein ganz normales Leben. Sie gehen zur Schule oder zur Arbeit, kümmern sich um ihre Familien, machen sich Gedanken um ihre Freunde, verlieben sich, heiraten, kriegen Kinder und so weiter. Auch von der naheliegenden Grenze zum Libanon und davon, dass sich alle auf einen kommenden Krieg vorbereiten, hat man wenig mitbekommen. Allerdings ist es dort Pflicht in jedem Haus einen Schutzraum (Bunker) einzubauen.

Ja wir haben schon wirklich viel erlebt und mitbekommen in unserer Zeit in den Gastfamilien. Vor allem, dass für diese Leute Gastfreundschaft ganz groß geschrieben wird. Also GASTFREUNDSCHAFT! Wirklich, das ist denen heilig. So bevorzugt würde man in Deutschland nicht behandelt werden. Bei uns ist es ja eher so: Wir haben kein Gästezimmer, wir haben keinen Platz. Dort soll es schon vorgekommen sein, dass die Gasteltern in die Garage ziehen, damit die Gäste im Ehebett schlafen können.

Jammi!

Ach und das Essen war lecker! Wahnsinn! Das meiste wird selbst gemacht. Brot und Käse und Johannisbrotsirup. Die Wassermelonen sind viel süßer und leckerer als hier und es gibt ungewöhnliche Gewürze. Tee wird direkt mit frischen Kräutern aufgegossen und den arabischen Mokka muss man einfach mal probiert haben. (Aber besser nicht auf Ex trinken. *grins*)

Kleines Mädchen, für die Hochzeit herausgeputzt

An einer Hochzeit durften wir auch teilnehmen. Die läuft dort so ab, dass eine Woche lang jeden Tag gefeiert wird und am Ende ist dann die Trauung und am Abend die offizielle Feier. Zu so einer Hochzeit ist meistens das komplette Dorf und Leute aus umliegenden Dörfern eingeladen. Aber wer eingeladen ist, der muss auch schenken, egal ob er zur Feier kommt oder nicht. Und zwar ca. 50 Euro pro Person. Bei einer 5-Personen-Familie sind da mal eben 250 Euro weg. Und im Sommer sind dort viele Hochzeiten… Es war ganz toll, dass wir an der Feier teilnehmen durften und mal gucken konnten, wie so etwas dort abläuft. Spaß für die Gäste aber Anstrengung pur für das Hochzeitspaar. Die haben sich die Flitterwochen dann redlich verdient!

Sonnenuntergang in Mi’ilya

Hach Leute, ich könnte noch stundenlang erzählen, aber für heute reicht es glaub‘ ich erstmal. Wahrscheinlich sind eure Augen jetzt auch schon müde vom ungewöhnlich vielen Text. ;) Meine sind es jedenfalls.

Deshalb bis bald und liebste Grüße!

Anni

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